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Wundbehandlung bei offenen Beinen durch Beinvenenschwäche (Ulcus cruris varicosum)

Am Anfang der Therapie des venösen Ulcus cruris steht die Behandlung der zugrundeliegenden Erkrankung.

Wenn eine Operation oder eine Verödung von eventuell für das Ulcus verantwortlichen Krampfadern nicht möglich ist, so muss zumindest durch Kompressionsbehandlung die Venenfunktion gebessert werden.

Das Ulcus ist eine tiefe offene Wunde, die dem Zustand der Wunde angepasst in unterschiedlichen Phasen behandelt werden muss. Man spricht daher auch von phasengerechter Wundbehandlung.

Phase 1: Die Wundreinigung

Bei einer frischen Wunde auf gesunder Haut wandern Blutzellen in die Wunde ein, die abgestorbenes Material und Entzündungserreger entfernen. Im Gegensatz dazu ist das offene Bein (Ulcus) in Folge chronischer Beinvenenschwäche zumeist von verhärtetem Bindegewebe (Dermatoliposklerose) umgeben, so dass die Einwanderung der Blutzellen gestört ist. Der Körper bedarf daher der Hilfe bei der Entfernung von abgestorbenem Material und Entzündungserregern. Die Wunde sollte zunächst feucht gehalten werden, wobei überschüssiges Sekret jedoch abgeleitet werden muss.

Bei stark ausgeprägten Belägen auf dem Ulcus müssen diese eventuell mit Hilfsmitteln wie dem "scharfen Löffel" abgetragen werden. Wenn dies nicht möglich ist, kann man den Körper therapeutisch unterstützen, indem Salben mit Enzymen eingesetzt werden, die abgestorbenes Material und Beläge auflösen. Enzyme sind Eiweißstoffe, die auch natürlicherweise im Körper eingesetzt werden, um Verdauungsprozesse zu ermöglichen bzw. zu beschleunigen. Alternativ können Hydrogele zum Einsatz kommen. Dies sind synthetische Molekülketten mit einem sehr hohen Wasseranteil. Sie verfügen über eine starke Reinigungswirkung und schaffen feuchte Wundverhältnisse. Tiefe Ulcera können mit Alginaten ausgefüllt werden. Alginate sind aus Algen hergestellte Vliesstoffe, die in einer feuchten Wunde aufquellen und sich so mit Sekret vollsaugen. Besonders bei bakteriell entzündeten Wunden kommen Verbände aus Aktivkohle zum Einsatz. Sie nehmen die Giftstoffe auf, die die Bakterien produzieren und verhindern so deren schädliche Wirkung auf die Wundheilung.

Phase 2: Die Bildung neuen Bindegewebes (Granulation)

In der zweiten Phase der Wundheilung bemüht sich der Körper, das Ulcus mit Gewebe auszufüllen und so die entstandene große Lücke in der Haut zu beseitigen. Zu diesem Zweck vermehren sich im Randbereich einer frischen Wunde auf gesunder Haut bestimmte Zellen, deren Aufgabe es ist, Bindegewebe zu produzieren. In dieses neue Bindegewebe wachsen dann kleinste Blutgefäße ein.

Beim offenen Bein ist die Blutversorgung der Ulcusumgebung im Vergleich zu gesunder Haut jedoch deutlich verschlechtert. Daher werden die bindegewebeproduzierenden Zellen schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen beliefert und das Einwachsen neuer Blutgefäße dadurch erschwert. Der Körpers muss in dieser Phase also ebenfalls unterstützt werden. Deshalb wird durch sogenannte Plattenverbände (Hydrokolloid- und Hydropolymerverbände) versucht, zusätzliche Anreize für die Bindegewebsproduktion zu schaffen. Die Wunde muss feucht sein und der Verband darf mit der Wunde nicht verkleben. Da das Wundsekret zu diesem Zeitpunkt jedoch stark haftet, ist gerade die letzte Forderung häufig schwierig zu erfüllen. Eine Silikonbeschichtung der Verbandplatte kann dabei hilfreich sein.

Phase 3: Die Bildung neuer Haut (Epithelisierung)

In der dritten Phase der Wundheilung zieht sich die Wunde zusammen und Hautzellen wachsen vom Wundrand heran, um die Wunde zu schließen. Da die Phasen 1 und 2 der Wundheilung bei chronischer Beinvenenschwäche stark gestört sind, erreichen die meisten offenen Beine die 3. Phase im Allgemeinen nicht ohne unterstützende Wundbehandlung. Auch in dieser letzten Phase muss noch ein ausgewogenes Maß an Feuchtigkeit in der Wunde sein und ein Festhaften des Verbandes auf der zarten jungen Haut muss vermieden werden. Zu diesem Zweck werden zumeist dünne Plattenverbände (Hydrokolloid-oder Hydropolymerverbände) eingesetzt.

Um diese Phase abzukürzen, kann eine optimal granulierende Wunde auch im Rahmen einer Operation (ggf. in örtlicher Betäubung) mit körpereigener dünner Haut bedeckt werden. Hierfür gibt es mehrere OP-Techniken, bei denen entweder kleine Hautinseln verpflanzt werden oder dünne Hautläppchen ggf. auch als Netz auf die Wunde aufgebracht werden.

Alternativ zum Verschluss mit körpereigener Haut kann auch eine Deckung mittels angezüchteter Hautzellen erfolgen. Besonders interessant ist dieses Verfahren für Patienten mit sehr großflächigen Wunden. Die bisherigen Ergebnisse dieses Verfahrens sind durchaus ermutigend. Die Bewährung im alltäglichen Routineeinsatz steht jedoch noch aus.

Manche Ulcera heilen jedoch auch unter optimaler phasengerechter Wundtherapie nicht ab. Hier kann versucht werden, die Wunde mittels einer Operation in örtlicher Betäubung zu schließen. Da die Ursache der zögerlichen Abheilung vor allem in der Verdickung des Umgebungsgewebes liegt, wird das Ulcus samt des verhärteten Gewebes in der Umgebung mit einer Art scharfem Messer abgetragen (Shave-OP). Anschließend wird die entstandene frische, gut durchblutete Wunde mit dünner Haut vom Oberschenkel verschlossen. Mit diesem Verfahren können erstaunliche Heilungsverläufe bei jahrelang bestehenden Ulcera erreicht werden. Dies gilt umso mehr, wenn zuvor oder gleichzeitig eine operative Sanierung der erkrankten Venen durchgeführt werden kann. Besonders die endoskopische Unterbindung von Perforansvenen unter dem Ulcusareal und die Spaltung von verhärteten Muskelhüllen können hierbei wichtig sein.

letzte Aktualisierung dieser Seite am: 25.01.2017
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